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Pflege der Pferdeweide übers Jahr

Pflege der Pferdeweide übers Jahr

Eine dichte und gesunde Grasnarbe. Das ist das Ziel zu Beginn einer jeden Weidesaison, die in vielen Regionen Deutschlands Mitte April beginnt.

Pflege der Pferdeweide übers Jahr

Eine dichte und gesunde Grasnarbe. Das ist das Ziel zu Beginn einer jeden Weidesaison, die in vielen Regionen Deutschlands Mitte April beginnt. Damit der Start gut gelingt, sollte über das gesamte Jahr die Pferdekoppel gut gepflegt werden.
Doch wie das manchmal so ist mit hehren Zielen: sie werden nicht erreicht.

Pferdeherde
Gute Weide bedeutet gesundes Wachstum

Lebensraum und Futterfläche

Pferdeweiden müssen im Gegensatz zu anderem Grünland eine Menge Anforderungen gleichzeitig erfüllen. Sie sind Spielwiese für Fluchttiere, die ihrem Lebensraum als (oft beschlagene) Einhufer mit ihrem erheblichen Bewegungsbedarf gründlich zusetzen. Und sie sind Futtergrundlage für naschhafte Fresser, die ihre Futterpflanzen viel tiefer verbeißen als Rind & Co. All das zusammen macht eine aufmerksame Weidepflege notwendig. Ein Weidekalender übers Jahr hilft, alle notwendigen Arbeiten im Blick zu behalten und dem realen Zustand der eigenen Weidefläche anzupassen.

Bodenanalyse als Grundlage

Eine Bodenanalyse erlaubt bei überschaubaren Kosten ein klares Bild über die Beschaffenheit der Flächen. Dann können die anfallenden Pflegemaßnahmen auch entsprechend abgestimmt werden. Eine Bodenanalyse können Sie im örtlichen Landhandel in Auftrag geben oder direkt bei der Lufa des jeweiligen Bundeslandes. In der Regel erhalten Sie mit den Ergebnissen auch eine entsprechende Düngeempfehlung. Wie Sie eine Bodenprobe entnehmen, steht im Artikel „Angelegt: Wildacker für Nieder- und Hochwild“ dargestellt.

Wichtig: Bei der Probeentnahme auf Pferdeweiden wegen der ungleichen Nährstoffverteilung durch Geilstellen mehr Einstiche (30 bis 40) als sonst bei Probeentnahmen machen. Günstigster Zeitpunkt ist vom Herbst bis ins Frühjahr, keinesfalls unmittelbar nach der Düngung. Für eine kontinuierliche Beweidung die Bodenuntersuchung alle drei bis vier Jahre wiederholen, dann hat man auch Erkenntnisse, ob und was an der Weidepflege geändert werden muss.
Wiesenstriegel
Wiesenstriegel: Kämmt abgestorbene Gräser aus

Pflege der Weide rund ums Jahr

Zum Frühlingsbeginn sollte die Weide mit einer Wiesenschleppe abgeschleppt werden, um Maulwurfshügel, Mist- und Pflanzenreste zu verteilen. Das Schleppen sorgt zudem für eine gute Belüftung des Geländes, was einer möglichen Nachsaat den Austrieb erleichtert. Achtung: Verletzen der Grasnarbe beim Schleppen vermeiden, sonst haben es Unkräuter leichter.
Noch stärker durchlüftet wird die Weide durch das Striegeln mit der Grünlandstriegel. Damit werden auch abgestorbene Gräser ausgekämmt, was den Nachwuchs anregt. Kombinieren Sie den Striegelprozess gegebenenfalls mit einer Nachsaat, falls größere Lücken im Bestand vorhanden sind. Eine Nachsaat kann übrigens auch im September sinnvoll sein ("siehe unser Artikel Pflege der Pferdeweide im Herbst").
Das Walzen gehört ebenso zum Frühjahrsputz der Pferdeweiden wie das Abschleppen: es fördert den notwendigen Bodenschluss für das Nachwachsen der Gräser. Dabei auf günstigen Bodenzustand, nicht zu feucht und nicht zu trocken, auf entsprechendes Walzengewicht, sowie optimale Fahrgeschwindigkeit von drei bis vier km/h achten. Trampelpfade am Zaun gründlich bearbeiten, da diese häufig stark geschädigt sind.

Pferd in Box
Er wartet sehnsüchtig auf die Weidesaison

TIPP: Bei dieser Gelegenheit prüfen, ob eventuell eine Übersaat notwendig ist (Circa fünf bis zehn Kilo Saatgut pro Hektar). Eine Übersaat dient der Verbesserung und Stärkung der Grasnarbe und sollte mehrmals pro Jahr vorgenommen werden, wenn bis zu 20 Prozent der Fläche Schäden aufweist.

In der Regel beginnen die Pflegearbeiten für die Weidesaison im März eines Jahres, abhängig vom regionalen Wetter. Der folgende Weidekalender hilft, die übers Jahr im Blick zu behalten.

Weidekalender: Arbeiten rund ums Jahr
Monat Tätigkeiten
Januar Ruhephase
Februar Ruhephase
März * Wenn der Boden trocken und frostfrei ist: Schleppen, Striegeln, Wälzen
* Richtpunkt Forsythienblüte: ev. Düngen (Kalkstickstoff)
März bis Mai eventuell Übersaat / Nachsaat
April je nach Witterung: Pferde anweiden
Weidesaison Mai bis Oktober /November: • Kontrolle Giftpflanzen • Nach Koppelumtrieb nachmähen • Bei Bedarf Übersaat / Nachsaat • Bei Bedarf Stickstoffdüngung
Oktober / November nach Weideabtrieb: organische Düngung
Pferdeweide mit Walzen
Wiesenwalze: Sorgt bei Saatgut für Bodenhaftung

Düngen im Frühjahr

Um die gewünschten Gräser auf der Weide zu fördern, sollte sichergestellt werden, dass die Grundnährstoffe Phosphor (P), Kalium (K) und Magnesium (Mg) auf der Fläche ausreichend vorhanden sind und der Kalkzustand der Weide stimmt. Das ermittelt die eingangs erwähnte Bodenanalyse.
Muss gedüngt werden, sollte das vor der Vegetationsperiode geschehen. Anders als bei stickstoffhaltigen Düngern macht die Ausbringung von Grunddüngern im zeitigen Frühjahr Sinn, damit der Dünger noch ausreichend Zeit hat, um sich aufzulösen und im Wurzelraum zu verteilen. Zudem ist dann in der Regel auch die Feuchtigkeit hoch genug, um den Auflösungsprozess zu unterstützen.
Düngemittel sollten möglichst gleichmäßig auf der Weide verteilt werden. Ein landwirtschaftlicher Schleuder-Düngerstreuer hilft, die exakte und erwünschte Düngermenge auszubringen. Dabei beachten: Düngemittel sind in der Regel konzentrierte Salze mit teilweise ätzender Wirkung. Beim Befüllen des Streuers also Staubmaske tragen, beim Arbeiten mit den Mitteln zusätzlich Schutzhandschuhe und Schutzbrille anziehen.

Kalkstickstoff im Frühjahr

Kalkstickstoff wird ein bis zwei Wochen nach dem Abschleppen der Weiden ausgebracht. Er hat gleich mehrere positive Wirkungen. So fördert er durch seine Langzeitwirkung vor allem die wertvollen Untergräser, so dass sich eine dichte Grasnarbe bilden kann. Das verhindert auch, dass die Weide beim ersten Anwuchs zu hoch und eher lückenhaft wird, denn Kalkstickstoff ist in den ersten Tagen nach dem Ausbringen für Keimlinge nicht verträglich.
Das mögen insbesondere frisch gekeimte Unkräuter wie das gefährliche Jakobskreuzkraut oder Moose nicht. Fällt der Dünger in die trichterförmigen Blattrosetten des Krauts, verätzen sie das Innere der Pflanze, die dann meiste abstirbt. Gut bewurzelte Gräser vertragen Kalkstickstoff dagegen problemlos.
Zudem unterstützt Kalkstickstoff die Weidehygiene. Frisch ausgestreut setzt der Dünger Verbindungen frei, die Parasiten wie Blatt-, Lungen- und Zwergfadenwürmern den Garaus machen. Zwei Wochen nach der Kalkstickstoffdüngung können die Pferde wieder auf ihre Weide.

Was soll nachgesät werden?

Statt kräftigem Grasgrün: viel Weißklee, Breitwegerich, im schlimmsten Fall Sauerampfer. Eine Weide, auf der Pferde gerne grasen, sieht anders aus. Hier muss über- oder nachgesät werden, damit wieder Gras die Oberhand im Bewuchs gewinnt. Sind mehr als 50 Prozent der Pflanzen auf der Pferdewiese unerwünschte Beikräuter, wird es vielleicht sogar Zeit für eine Neuansaat (siehe unser Artikel „Ansaat einer Pferdeweide“).
Ausgesät werden sollten Mischungen, die speziell für Pferdeweiden zusammengestellt wurden. Ganz wichtig ist die Wasserversorgung über Niederschläge – daher nur aussäen, wenn ganz sicher Regen angekündigt ist. Ebenfalls wichtig: für Bodenschluss der Grassamen sorgen, sonst wird das Keimen schwierig.

Pferd und Kuh
Pferd und Kuh haben unterschiedliche Futteransprüche

Welches Saatgut auswählen?

Für Pferdeweiden gibt es spezielle Mischungen, die auf die Bedürfnisse der Einhufer abgestellt sind. Besonders bewährt haben sich je nach Boden und Klima die Arten Deutsches Weidelgras, Rotschwingel und Wiesenrispe, die entscheidend sind für Narbendichte und Trittfestigkeit. Deutsches Weidelgras steht gelegentlich in der Kritik durch hohe Fruktanwerte Hufrehe zu begünstigen. Mit der Wahl der Saatgutmischung kann man hier zusätzlich vorbeugen, in dem man auf fruktanreduzierte Sorten setzt.