Viehweiden für Pferde optimieren
Für Pferde und ihre Halter gibt es nichts Schöneres: freier und regelmäßiger Weidegang für die Einhufer. Dabei muss eine Pferdeweide im Gegensatz zu anderen Viehwiesen vielen Ansprüchen gleichzeitig gerecht werden. Sie ist zugleich Futtergrundlage, Lebensraum und Spielwiese für den natürlichen Bewegungsdrang von Pferden.
Zum Vergleich: Milchkühe bewegen sich bei Weidehaltung durchschnittlich zwei Kilometer pro Tag. Für sie ist fast ausschließlich die Futtersuche der Grund, sich zu bewegen. Pferde bewegen sich im gleichen Zeitraum 15 bis 20 Kilometer weit, sie traben, galoppieren und spielen auf der Weide.
Pferde unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihres Bewegungsdrangs von anderen Weidetieren. Auch ihr Fressverhalten ist ganz anders als der von Rindern, Schafen oder Ziegen. Im Gegensatz zu Wiederkäuern verbeißen Pferde ihre Futtergräser fast bis zur Wurzel und sind zwölf bis achtzehn Stunden mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt. Ihr im Verhältnis zur Größe kleiner Magen und der empfindliche Verdauungstrakt sind auf kontinuierliche Futterzufuhr angewiesen.
Gräser auf Pferdeweiden haben es daher erheblich schwerer, in dichten Beständen nachzuwachsen. Ein engmaschiges Wiesenmanagement ist notwendig, um einen lückenlosen Bewuchs zu gewährleisten.
Denn die Weide ist last but not least natürlich eine kontinuierlich nachwachsende Futterquelle für die Einhufer und dient so als Lieferant für den Wintervorrat an Heu und Silage. Pferde brauchen also aus vielerlei Gründen eine besonders dichte Grasnarbe mit geeigneten Futtergräsern.
Viehweide standardmäßig mit hohem Weidelgrasanteil
Auf ehemaligen Futterweiden für Fleisch- und Milchviehbetrieben wachsen aber oft Gräser, die nur suboptimal für den Pferdemagen sind. Häufig dominiert dort das Deutsche Weidelgras (Lolium perenne), das gerade für Milchvieh gut geeignet ist. Es ist zucker- und damit energiereich. Genau diese Eigenschaft kann es für viele Pferde problematisch machen.
Natürlich schmeckt Deutsches Weidelgras mit seinem hohen Zuckergehalt auch Pferden besonders gut. Leider reagieren Pferde aber genau wie Menschen auf zu viel Zucker: er macht sie krank. Das ehemalige Steppentier Pferd braucht besonders viel faserreiches und vor allem energiearmes Gras, damit sein Verdauungsapparat gut funktionieren kann. Das deutsche Weidelgras aber liefert das Gegenteil: viel leicht verdauliche Energie und hohe Zuckeranteile in Form von Fruktanen.
Leichtfutterige robuste Pferderassen wie Isländer, Norweger oder Shetlandponies werden auf solchen Weiden schnell übergewichtig und können wegen des hohen Fruktangehalts durch eine überschießende Insulinproduktion auch Hufrehe entwickeln. Wegen mangelnder Bewegung sind zwischenzeitlich auch immer mehr Großpferde von den Problemen betroffen, da sie häufig nur gehalten, aber nicht mehr sportlich gearbeitet werden.
Pferde und Hochleistungsgras passen nicht zusammen
Eine Umwandlung der Milchviehweiden in Weiden, die für Pferde besser geeignet sind, ist daher sinnvoll. Um die richtigen Gräser auf einer schon bestehenden Weide zu etablieren, ohne sie ganz umzubrechen, braucht es allerdings Geduld und das richtige Weide-Management.
Ein Ausweg kann die Aussaat von besonders fruktanarmen Sorten des Weidelgrases sein, die viele von Saatgutproduzenten bereits anbieten. Damit können die unbestreitbaren Vorteile des Weidelgrases wie besonders dichte Bestockung und guter Schnittertrag mit einer Reduzierung des Fruktangehalts kombiniert werden.
Vielen Pferdehaltern reicht das aber nicht, sie suchen nach einem Ersatz für das Weidelgras. Für viele Pferdehalter sind faserreiche Gräser wie die Wiesenrispe (poa prätensis) und das Wiesenlieschgras (Phleum pratense) die bessere Wahl.
Dichte Grasnarbe für die Pferdeweide anstreben
Die Wiesenrispe bildet ebenso wie das Deutsche Weidelgras dichte Grasnarben und entwickelt zusätzlich noch unterirdische Ausläufer, wodurch es den Tritt der Pferde sehr gut verträgt. Ein weiterer Vorteil ist die hohe Residenz der Wiesenrispe gegen Trockenheit. Allerdings entwickelt die Wiesenrispe wie auch das Wiesenlieschgras keine hohe Konkurrenzkraft gegenüber anderen Gräsern auf der Weide, so dass sie leicht verdrängt werden können – darin liegt die Schwierigkeit beim Umwandeln oder Anlegen einer Pferdeweide.
Milchviehweiden werden dagegen oft intensiv genutzt, mehrfache Schnitte sind neben dem Weidegang die Regel. Um die Wiesenrispe und das Wiesenlieschgras auch unter den schwierigeren Bedingungen auf schon bestehenden Weiden zu etablieren, muss das Weidemanagement überdacht und entsprechend abgeändert werden. Um diese Gräser ansiedeln zu können, sollte die Nutzung der Weiden heruntergefahren werden: Weniger mit Stickstoff düngen und seltener schneiden.
Platz für Wiesenlieschgras und Wiesenrispe schaffen
Wird Platz für die beiden konkurrenzschwächeren Arten Wiesenrispe und Wiesenlieschgras geschaffen, dann sollte zweierlei passieren. Diese beiden Grasarten hochwachsenden Gräser beschatten das niedrig wachsende Deutsche Weidelgras. Dadurch kann es sich nicht mehr so schnell ausbreiten und nach dem Schnitt wird die Grasnarbe lückiger sein. In diese lückige Grasnarbe können nun weitere neue Gräser eingesät werden. Wird diese Arbeit nach dem zweiten Schnitt im August nochmals gemacht, wird der Effekt auf die Grasnarbe noch gröer.
Sind die für Pferde optimal geeigneten Gräser gut angewachsen, ist eine intensive Beweidung sinnvoll, damit die jungen Pflanzen sich gegen die anderen Grassorten und Unkräuter durchsetzen können.
Die einzelnen Schritt des späten Schnitts, der unmittelbaren Nachsaat und der anschließenden Beweidung müssen jedes Jahr so lange wiederholt werden, bis sich die Zusammensetzung der Grasarten auf der Weide deutlich geändert hat. Ausreichend Neiderschlag ist für das Anwachsen der Nachsaat genauso bedeutend. Alles in allem braucht es für die Umwandlung des Grünlandes ungefähr zwei bis drei Jahre. Dann sollte eine pferdefreundliche Zusammensetzung erreicht sein.
