Wie lese ich Futteretiketten richtig?
Futteretiketten bilden für Pferdehalter die Basis, um die Zusammensetzung und Güte eines Futtermittels verlässlich zu bewerten. Sie dokumentieren neben den analytischen Bestandteilen auch alle relevanten Zusatzstoffe. Mit diesem Beitrag wollen wir eine praktische Orientierungshilfe geben: Worauf ist bei der Prüfung der Angaben gezielt zu achten.
Gesetzliche Vorgaben für Futtermittel-Hersteller
Der Gesetzgeber macht klare Vorgaben, wie Futtermittel gekennzeichnet sein müssen. Nach der Verordnung (EG) Nr. 767/2009 des europäischen Parlaments sind alle Hersteller und Vertreiber von Futtermitteln verpflichtet, die Vorschriften dieser Verordnung zu befolgen.
Ein Futteretikett muss daher folgende Informationen enthalten:
- Futtermittelart: Ist es ein Ergänzungsfuttermittel, Alleinfuttermittel oder Einzelfuttermittel?
- Tierart: Für welche Tiere ist das Futter geeignet?
- Produktname (Auslobung): Die Bezeichnung des Produkts.
- Analytische Bestandteile: Diese geben Aufschluss über den Nährstoffgehalt, z. B. Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche.
- Zusammensetzung: Auflistung der Einzelfuttermittel in absteigender Reihenfolge nach ihrem Anteil im Produkt.
- Zusatzstoffe: Darunter fallen Vitamine, Spurenelemente und weitere Stoffe, die das Futter ergänzen. Diese werden meist in Mengen pro Kilogramm angegeben.
- Name und Anschrift des Herstellers: So weiß man, von wem das Futter stammt.
- Kennnummer der Partie: Eine wichtige Angabe, um die Rückverfolgbarkeit des Futters sicherzustellen.
- Nettogewicht: Das Gewicht des Futters.
- Mindesthaltbarkeitsdatum: Bis zu diesem Datum garantiert der Hersteller die Qualität des Futters.
- Hinweise zur ordnungsgemäßen Verwendung: Die Fütterungsempfehlung und Dosierungsangaben sind entscheidend, um das Futter korrekt anzuwenden.
Zusammensetzung / Zutaten
Unter "Zusammensetzung" findest Du eine Auflistung der Zutaten in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils. Ein hochwertiges Pferdefutter sollte klar deklarierte Zutaten haben, z. B. „Haferflocken“, „Leinkuchen“ oder „Karottenflocken, getrocknet“. Allgemeinere Begriffe wie „pflanzliche Nebenerzeugnisse“ können auf minderwertigere Zutaten hinweisen.
Inhaltsstoffe
Inhaltsstoffe umfassen die Nährstoffe, die im Futter enthalten sind. Dies sind in erster Linie Proteine, Fette, Kohlenhydrate und Ballaststoffe. Diese Stoffe sind essenziell für die Energieversorgung deines Pferdes.
Analytische Bestandteile
Dabei handelt es sich um die wichtigsten Nährstoffe, die im Rahmen der sogenannten Weender-Analyse ermittelt werden: Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche. Diese Angaben helfen dir zu beurteilen, ob das Futter den Nährstoffbedarf deines Pferdes decken kann.
Rohprotein
Gibt den Stickstoffgehalt des Futters an und ist ein Indikator für den Eiweißgehalt. Pferde benötigen Protein für den Aufbau von Muskeln, Gewebe und Enzymen.Rohfett
Misst den Gehalt an Fetten und Ölen im Futter. Fette sind eine wichtige Energiequelle für Pferde.Ein Futteretikett muss daher folgende Informationen enthalten
Rohfaser: Bestimmt den Anteil an unverdaulichen Pflanzenteilen wie Zellulose. Ein hoher Rohfasergehalt ist wichtig für die Verdauung und die Darmgesundheit des Pferdes.
Rohasche
Dieser Wert zeigt den Mineralstoffgehalt an. Er gibt Auskunft über den Anteil an anorganischen Bestandteilen, wie Kalzium, Magnesium oder Phosphor, die wichtig für die Knochengesundheit und den Stoffwechsel sind.
Analytische Bestandteile
Ein Futteretikett muss daher folgende Informationen enthaltenTrockensubstanz
Trockensubstanz: Der Anteil des Futters, der nach dem Entzug von Wasser übrig bleibt.
Zusatzstoffe
Zusatzstoffe sind Stoffe, die dem Futter zugesetzt werden, um die Gesundheit und Leistung eines Pferdes zu fördern. Dazu zählen Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente oder auch Probiotika. Diese Zusatzstoffe werden auf dem Etikett je kg Futter angegeben. Wenn du zum Beispiel wissen möchtest, wie viel Zink dein Pferd durch das Futter pro Tag zu sich nimmt, musst du den Gehalt je Fütterungsmenge berechnen. Wird auf dem Etikett beispielsweise 500 mg Zink angegeben, dein Pferd vom Futter 600 g am Tag frisst, würde es 300 mg Zink pro Tag zu sich nehmen. Außerdem ist es wichtig, in welcher Form die Zusatzstoffe enthalten sind. Auch das muss angegeben werden, sodass du unterscheiden kannst, ob die 500 mg Zink in organisch gebundener Form oder in anorganisch gebundener Form enthalten sind.
Futtermittelart
Die Futtermittelart gibt an, ob es sich um ein Ergänzungsfuttermittel, Einzelfuttermittel oder Alleinfuttermittel handelt: Einzelfuttermittel: Bestehen nur aus einer Zutat, z. B. Heu, Hafer oder Rübenschnitzel.
Mischfuttermittel
Eine Mischung aus mindestens zwei verschiedenen Futtermitteln, die entweder mit oder ohne Futtermittel-Zusatzstoffe hergestellt wird. Es dient der oralen Fütterung und kann als Alleinfuttermittel oder Ergänzungsfuttermittel verwendet werden.
Futteretikett
Ein Futteretikett muss daher folgende Informationen enthalten
Alleinfuttermittel
Alleinfuttermittel: Sind so zusammengesetzt, dass sie den gesamten Nährstoffbedarf deines Pferdes decken können. Alleinfuttermittel gibt es im Pferdebereich eigentlich nicht, da unsere Pferde unbedingt Raufutter benötigen und im Raufutter in der Regel nicht ausreichend Nährstoffe enthalten sind.
Ergänzungsfuttermittel
Sie bestehen aus mehreren Komponenten, sind jedoch nicht allein ausreichend, um den gesamten Nährstoffbedarf zu decken, dazu gehören Müslis, Pellets oder Pulver. Das bedeutet, dass dein Pferd entweder mehrere Ergänzungsfuttermittel benötigt, jedenfalls aber Raufutter als Ergänzung bzw. Grundstock der Fütterung.
Mineralfuttermittel
Eine spezielle Art von Ergänzungsfuttermittel, das mindestens 40 % Rohasche enthält und dazu dient, den Mineralstoffbedarf von Tieren zu decken.
Diätfuttermittel – mehr als nur "Diät"
Diätfuttermittel haben im Futtermittelbereich eine besondere Bedeutung. Anders als bei Menschen geht es hierbei nicht um die Reduktion des Gewichts, sondern um eine gezielte Fütterung bei speziellen gesundheitlichen Bedürfnissen. Beispiele sind Futtermittel, die den Elektrolytverlust bei stark schwitzenden Pferden ausgleichen oder die Leberfunktion bei chronischen Lebererkrankungen unterstützen. Diätfuttermittel unterliegen den speziellen Vorschriften der Verordnung (EU) 2020/354 und müssen extra zugelassen werden.
Beurteilung des Pferdefutters
Die Qualität der eingesetzten Rohstoffe ist ein maßgebliches Kriterium bei der Auswahl des passenden Pferdefutters. Hochwertige Futtermittel zeichnen sich durch eine transparente Deklaration erstklassiger Komponenten wie Bio-Leinkuchen aus. Der Verzicht auf synthetische Pestizide und Düngemittel im ökologischen Anbau reduziert die Schadstoffbelastung und begünstigt oft eine vorteilhaftere Zusammensetzung der Nährstoffe. Zudem fördert die Wahl von Bio-Produkten eine nachhaltige und umweltschonende Landwirtschaft.
Minderwertige Mischungen nutzen hingegen häufig unspezifische Deklarationen wie „Schälkleien“. Diese Nebenerzeugnisse der Mehlherstellung bestehen aus den äußeren Kornschichten; sie liefern zwar Ballaststoffe, weisen jedoch eine geringere Nährstoffdichte auf und dienen primär als kostengünstiger Füllstoff. Pferdehalter sollten das Etikett daher gezielt nutzen, um die Produktqualität fundiert zu beurteilen.
Fazit: Expertise ist der Schlüssel
Die richtige Fütterung deines Pferdes beginnt bei der korrekten Interpretation des Futteretiketts. Dieses richtig zu verstehen ist die Basis für die richtige Futterentscheidung, die Dein Pferd in Sachen Gesundheit und Leistungsfähigkeit braucht. P.S.: Vieles von dem Grundlagenwissen dieses Artikel entstammt der so genannten Gruber Tabelle, hrsg. von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Sie dient Pferdehaltern als fundiertes Standardwerk und praktisches Hilfsmittel zu exakten Berechnung von Futterrationen.
