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Weinbergbegrünung

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Grüne Füße für den Weinberg - Es hat sich ein neues Ideal des Weinbergs gebildet

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Grüne Füße für den Weinberg

Begrünen des Weinbergs? Das galt lange Zeit als schädlich für den Wein, insbesondere in den trockenen Regionen der Anbaugebiete. Schließlich würde ein starker Bewuchs unter den Rebstöcken dafür sorgen, dass die empfindlichen Pflanzen zu wenig Wasser und zu wenig Nährstoffe erhalten. Entsprechend wurde jedes Bodengrün als Unkraut betrachtet – und bekämpft.

Diese Sicht der Dinge hat sich in den vergangenen Jahren um 180 Grad gedreht. Es hat sich ein neues Ideal des Weinbergs gebildet. Eines, bei dem es unter den Rebstöcken blüht und gedeiht. Artenreiche und begrünte Rebgassen sehen nämlich nicht nur viel freundlicher aus als der nackte und kahle Weinberg: sie bieten auch eine Reihe von Vorteilen für die Hauptpflanze Weinrebe.

Vorteile einer artenreichen Begrünung auf einen Blick:

  • Aufbau eines stabilen Ökosystems
  • Förderung von Nutz-Insekten
  • Aktivierung des Bodenlebens
  • Minimierung der Auswaschung von Nährstoffen
  • Bildung und Anreicherung von Humus
  • Verminderung des Abbaus organischer Substanz
  • Stickstoff-Fixierung – beispielsweise durch Leguminosen
  • Minderung der Bodenabtragung (Erosion)
  • Intensivere Wurzelbildung durch die Unterpflanzen lockert die Böden
  • Stabilisierung der häufig steilen Lagen
  • Wasserhaltung des Erdreichs wird erhöht
Auch Rosen begrünen den Weinberg

Doch wie kommt der Winzer denn nun zu einen blühenden und ertragreichen Rebberg? Dabei gilt es eine Reihe von Aspekten zu beachten

Vor der Anlage einer Grünfläche unter den Rebstöcken sollten die Standortverhältnisse genau geprüft werden. Das gilt für:

  1. Hangneigung. Je nach Hanglage kann die Einsaat und Pflege der Grünfläche unter den Rebstöcken sehr arbeitsintensiv sein. Außerdem muss bei der Auswahl der Pflanzen auf deren Blattgröße und -form geachtet werden: sehr großblätterige Unterpflanzen können sehr rutschig sein beim Befahren der Rebgassen.
  2. Bodenart. In der Regel lassen sich die Böden einteilen in mehrere Bodenklassen wie leicht (Sand), mittel (Schluff, Lehm) oder schwer (Ton). Untersaaten wie beispielsweise Ackerbohnen eignen sich für schwere Böden, Wicken wiederum für leichte bis mittlere Böden.
  3. Niederschlagsart und -verteilung. Soll die Begrünung über das ganze Jahr und die gesamte Fläche erfolgen, dann muss der Niederschlag im Jahr mindestens 800 mm beträgt. Zudem sollte der Regen recht gleichmäßig übers Jahr verteilt sein, damit es im Sommer zur Entwicklung des Fruchtstands der Rebstöcke nicht nur Wassermangel kommt.
  4. Arbeitskapazität des Winzers. Begrünte Flächen unter Weinstöcken sind pflegeintensiv. Das muss der Betriebsleiter entsprechend einplanen.
  5. Intensität der Bewirtschaftung. Wird der Weinberg intensiv bewirtschaftet, muss die Erdkruste für die Rebstöcke entsprechend häufig umgebrochen und gelockert werden. So wird verhindert, dass sich durch zu intensive Verwurzelung direkt unterhalb der Begrünung der Boden zu stark verdichtet.
  6. Wie genau wird begrünt? Für jede Reblage sollte eine eigene Begrünungsstrategie erarbeitet werden. Denn wer kennt den eigenen Weinberg besser als der Winzer? Er weiß, wie die individuelle Voraussetzungen seiner Lage einzuschätzen sind und sollte dieses Wissen bei seinen Planung für die Untersaat und seiner Entscheidung für eine Begrünungsstrategie (siehe Punkt g) nutzen.
  7. Begrünungsstrategie.Natürlich ist jede Begrünungsstrategie eigentlich so individuell wie jeder Weinberg. Allerdings gibt es Standardstrategien, die den Einstieg in die Nutzung der Untersaaten erleichtern und auch Richtwerte für das Entwickeln einer individuellen Begrünungsstrategie geben. Grob gerastert gibt es folgende Strategien für eine Begrünung der Weinberge:
Kinder im begrünten Weinberg

Natürlicher Bewuchs ist geeignet für starke Steil- und Steilstlagen sowie skelettreiche Böden (also Böden, die zu mehr als 75 Prozent aus Komponenten einer Korngröße von größer als 2 mm bestehen). Bei derartigen Lagen ist eine Aussaat für den Winzer zu arbeitsintensiv und daher zu vernachlässigen. Als Zwischenlösung ist der natürlich Bewuchs dann die richtige Wahl, wenn beispielsweise durch zu nasse Böden eine Aussaat zum vorgemerkten Termin nicht möglich ist.
Der Vorteil des „Wildwuchs“ liegt auf der Hand: er spart Zeit, macht keine Arbeit und bietet eine geringe Konkurrenz für standortspezifische Pflanzen. Die Nachteile sind aber ebenso deutlich, denn häufig wächst auf solchen Flächen viel Gras, die eigentlich erwünschten Leguminosen kommen nicht zum Zuge, daher ist die Durchwurzelung der Flächen nicht so hoch wie eigentlich erhofft und je nach Wasserlage besteht die Gefahr, dass die Bodenfläche des Weinbergs eben nicht ausreichend begrünt ist.

Teilbegrünung im Sommer mit Wintersaat. Sie ist geeignet bei trockenen Standorten, insbesondere dort, wo es im Sommer nicht ausreichend regnet. Im Sommer wird dabei für höchstens drei Monate jede zweite Gasse im Weinberg offen gehalten. So haben die Reben weniger Konkurrenz um das spärliche Wasser.
Die restlichen Gassen werden mit einer langjährigen Begrünungsmischung eingesät. Die noch offenen Gassen werden ab August mit einer Winterbegrünung eingesät – beispielsweise mit Winterroggen oder Zottelwicken. Diese begrünten Gassen werden dann im darauffolgenden Jahr im April/Mai umgebrochen. Nach circa drei bis fünf Jahren sollten die Gassen gewechselt werden (was zu vor begrünt wurde, wird jetzt brach gelassen und umgekehrt), sonst bilden sich unter den begrünten Flächen zu starke Verdichtungen, die gelockert werden müssten.

Bei der Ganzflächenbegrünung wird eine deckende Grünfläche über die gesamte Fläche angestrebt. Sie ist nur geeignet für Standorte mit genügend Sommerniederschlag und tiefgründigen Böden, die das Wasser gut speichern. Dafür wird im April oder August die gesamte Fläche mit einer Begrünungsmischung eingesät. Über den Sommer wird eine Gasse regelmäßig gemulcht, die nächste Gasse wird wiederum gewalzt. In der gemulchten Gasse kann dann zur Erntezeit gefahren werden. Um Verdichtungen unterhalt der Begrünung zu vermeiden, sollte die Fläche regelmäßig umgebrochen, der Boden damit gelockert und neu eingesät werden. Der Vorteil dieser Bewirtschaftungsmethode: ein ganzjähriges und reichhaltiges Angebot an Blühpflanzen für Nützlinge, viel organische Masse und gute Humusbildung am Weinberg.

Fertige Begrünungsmischungen sollten aus möglichst vielen verschiedenen Pflanzenfamilien zusammengestellt sein. Im Idealfall werden verschieden hoch wachsende Pflanzen kombiniert, gleiches gilt für Pflanzen mit unterschiedlich tiefen Wurzeln

Begrünen sorgt für trittfeste Wege

Ausschlaggebend für die Saatmischung ist auch der Zweck, der mit der Begrünung vorwiegend erreicht werden soll.
Die Winterbegrünung dient beispielsweise der Bodendeckung und -stabilisierung über den Winter und wird im Frühjahr wieder umgebrochen. Wichtiger Bestandteil dieser Mischungen sollten überwinternde Leguminosen sein, die im Frühjahr den Stickstoff festhalten, der wiederum den Reben nach dem Umbrechen zur Blütezeit zur Verfügung steht. Beispielsweise ist eine Mischung aus zwei Drittel Winterroggen und einem Drittel Zottelwicke als Mischung denkbar. Je ein Hektar Weinberg sollten circa 90 Kilogramm Saatgut ausgesät werden.
Eine mehrjährige Begrünung bleibt dagegen drei bis vier Jahre auf dem Weinberg bestehen. Sie wird im Sommer wahlweise gewalzt oder gemäht. In der Regel besteht sie zu großen Teilen aus Leguminosen (Stickstoffversorgung) und Kräutern, Gräser werden dagegen wenig eingesät, da diese sich im natürlichen Bewuchs der Weinberg eh aussäen (und sich häufig eh zu schnell durchsetzen).

Beispiel: eine mehrjährige Mischung auf mittleren Böden könnte beispielsweise bestehen aus

  • Alexandriner Klee
  • Inkarnatklee
  • Winterwicken (Zottelwicke)
  • Gelbklee
  • Espasette
  • Borretsch
  • Minderung der Bodenabtragung (Erosion)
  • Malve
  • kleinem Wiesenknopf u.v.m.

Für leichte Böden eignen sich:

  • Phacelia
  • Wilde Möhre
  • Dill
  • Ringelblume
  • Hornklee
  • Gelbklee u. v.m.