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...es klingt vielleicht komplizierter als es ist.

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Nutzgarten: Reiche Ernte auch für Anfänger

Nichts, wirklich nichts schmeckt besser als Tomaten aus dem eigenen Garten. Und das von der Autorin dieses Blogs, die erst in der zweiten Lebenshälfte (eigentlich sogar drüber) in den Genuss von einigen eigenen Quadratmetern Boden gekommen ist.

Auch die Kleinsten haben Spaß an der Ernte

Das schönste daran ist: für eigene Tomaten reicht auch der kleinste Balkon. Denn Tomaten können auch in schönen Pflanztopfen glücklich werden. Für alle anderen Gemüse oder Obst gilt: erst einmal entscheiden, was und wie viel man anpflanzen will. Denn mit der Gartenarbeit alleine ist es ja nicht getan, die Ernte will ja später auch fachmännisch oder –fraulich verarbeitet werden.

Grundsätzliches: wie viel Raum braucht ein Nutzgarten?

Grundlage für jede Planung: erst mal schauen, wie viel Platz man hat – und dann ermitteln, wie viel Platz man braucht. Soll die Gemüse- und Obstversorgung komplett aus der eigenen Fläche erfolgen – oder soll nur ab und an ein wenig eigenes Gemüse und Obst zum Naschen geerntet werden? Wer noch keinerlei Erfahrung beim Anlegen von Nutzbeeten hat, kann sich an folgende Werte halten: bei weitgehender Vollversorgung braucht man pro Person circa 40 Quadratmeter für den Gemüseanbau und circa 26 Quadratmeter Fläche für Beerenobst. Bei einem geringeren Selbstversorgungsgrad reicht eine Gesamtfläche von circa 26 Quadratmeter pro Person aus.

Grundsätzliches, Teil 2: Welches Gemüse braucht wie viel Platz?

Wen man sich erst einmal entschieden hat, welches Obst und welches Gemüse man anpflanzen will, folgt im Anschluss die Frage: Was kommt in welches Beet? Und wie bei allen Ansiedelungen ist entscheidend, welche Pflanze sich mit welchem Nachbarn verträgt und wie Krankheiten vorgebeugt werden kann. Auch beim Obst- und Gemüseanbau gelten nämlich die Prinzipien einer guten Fruchtfolge mit entsprechendem Fruchtwechsel (lesen Sie dazu gerne auch unsere Artikelreihe zum Thema Fruchtfolge).

Unterschiedliches Gemüse in Reih und Glied

Neben der guten und förderlichen Nachbarschaft in Sinne des Nacheinanders, sorgt eine gute Fruchtfolge auch für die Lockerung des Bodens, eine gute Ausnutzung der vorhandenen Nähstoffe und berücksichtigt die Eigenunverträglichkeit bestimmter Pflanzen: so mögen sich Mitglieder einer Pflanzenfamilie nicht besonders. Also beispielsweise alle Kreuzblütler wie Radieschen, Rettich, Kohlrabi und alle Kohlarten. Pflanzen der gleichen Familie sollten frühestens alle vier Jahre wieder aufs gleiche Beet gepflanzt werden.

Das gilt übrigens auch für alle Pflanzen, die bei der Fruchtfolge (also im Jahresverlauf) zur Gründung verwendet werden, denn sie sind in der Regel nahe mit Gemüsearten verwandt. So sind beispielsweise nach Erbsen oder Bohnen alle Gründünger aus der Leguminosenfamilie wie Futtererbse, Serradella, Lupine oder Ackerbohne tabu. Im Zweifel besser Bienenfreund (Phacelia), Buchweisen oder Roggen wählen, denn sie sind mit keiner wichtigen Gemüsekultur verwandt.

Grundsätzliches, Teil 3: Was kommt wohin?

Sind die geplanten Gemüsearten nach ihrer Zugehörigkeit zu den unterschiedlichen Pflanzenfamilien sortiert, sollte man überlegen, welchen Nährstoffbedarf die einzelnen Parzellenbewohner haben. Unterteilt werden die Pflanzen nach Stark-, Mittel-, und Schwachzehrern, die jeweils ein Gartenjahr bestimmen. Im vierten Jahr sollte das Gemüsebeet dann mit einer Gründung bepflanzt werden, die den Boden wieder mit neuen Nährstoffen versorgt und dank ihres reichen Wurzelwerkes den Boden auflockert. Lesen Sie dazu auch unseren Artikel „Fruchtfolge im Obst- und Gemüsebeet“.

Grundsätzliches, Teil 4: Auf gute Nachbarschaft

Gemüse in Hülle und Fülle

Mischkultur ist der gleichzeitige Anbau verschiedener Gemüsesorten in enger Nachbarschaft. Das ist sozusagen Fruchtwechsel nicht von Jahr zu Jahr, sondern von Reihe zu Reihe. Und auch hier gilt: gute Nachbarschaft hilft immens. Wichtig ist, dass unterschiedliche Gemüsesorten nicht nach optischen Aspekten nebeneinander gepflanzt werden, sondern dass Arten ausgewählt werden, die sich besonders gut vertragen, im besten Falle sogar optimal ergänzen. Wer den Grundsätzen der Mischkultur folgt, sollte sich Wissen über Eigenschaften und Bedürfnisse der Gemüsepflanzen anlesen. Pflanzenlexika helfen hier weiter. Sie müssen auch kein Diplom-Agrarökonom sein, um damit zurecht zu kommen.

Denn die Mischkultur ist keine wissenschaftliche Methode, sondern beruht auf lange Erfahrung, die über Generationen weiter gegeben worden sind. Daher kann es auch durchaus unterschiedliche Empfehlung geben, je nach Lage und Standort sowie Bodenbeschaffenheit der individuell zu bepflanzenden Fläche. Wenn also auffällt, dass eine bestimmte Kombination am eigenen Standort nicht funktioniert, dann sollten sich Gemüsegärtner nicht auf theoretisches Wissen berufen sondern beherzt zu einer anderen Kombination greifen. Kommen bestimmte Gemüsesorten am eigenen Standort gut miteinander aus, dann sollte diese Kombination auch beibehalten werden.

Beispiele bewährter Mischkulturen

Zeitiges bis mittleres Frühjahr: Radieschen, Kopfsalat, Frühkohl
Spätes Frühjahr: Kohlrabi, Kopfsalat, Radieschen, Gartenkresse
Frühsommer:/td> Kohlarten (Hauptkultur), Endiviensalat
Spätsommer bis Frühherbst: Kopfsalat, Endiviensalat, Spinat
Herbst bis Winter: Endiviensalat, Feldsalat
Wie in alten Zeiten – ein alter Bauerngarten

Aus der Praxis einer Gemüsegarten-Anfängerin:

Die Bloggerin dieses Artikels versucht sich seit diesem Jahr ebenfalls als Nutzgärtnerin. Die Betonung liegt auf versucht. Nach ersten Erfahrungen scheinen folgende Regeln ganz brauchbar (Erfahrung macht halt klug):

  1. Bei Mischkultur in Reihen pflanzen, damit man den Überblick behält. Allerdings nicht immer dasselbe in jede Reihe, sondern Zweier-, Dreier- oder sogar Vierer-Reihen pflanzen. Also beispielsweise Möhren neben Zwiebeln neben Spinat. Oder Radieschen neben Gurken und Steckzwiebeln.
  2. Um die Beete optimal zu befüllen, am besten schlank wachsende Pflanzen wie Lauch neben buschige Pflanzen Kartoffeln setzen.
  3. Auch auf die Wurzeln achten, also tief wurzelnde neben flach wurzelnde. Das ist beispielsweise bei Möhren neben Zwiebeln der Fall.
  4. Pflanz- und Aussaatzeiten der einzelnen Arten sind durchaus unterschiedlich – nicht genutzte Reihen am besten mit Grasschnitt abmulchen. Das hält den Boden feucht und unterdrückt das Unkraut.
  5. Freie Reihen können selbstverständlich auch mit neuen Kulturen bepflanzt werden – sie müssen halt nur dazu passen.

Und zum Abschluss: es klingt vielleicht komplizierter als es ist. Denn wenn es einer Ex-Stadtpflanze wie der Autorin geglückt ist, dann klappt das bei Ihnen auch. Ganz bestimmt.