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Pflanzenkohle

Pflanzenkohle

Wer hat’s erfunden? Nein, dieses Mal sind es nicht die Schweizer – sondern die Indios im Regenwald Amazoniens. Und das bereits vor circa 4000 Jahren.

Pflanzenkohle

Wer hat’s erfunden? Nein, dieses Mal sind es nicht die Schweizer – sondern die Indios im Regenwald Amazoniens. Und das bereits vor circa 4000 Jahren.

Was ist eigentlich Pflanzenkohle?
Pflanzenkohle ist ein sehr poröses, aus pflanzlichen Rohstoffen hergestelltes Material. Basis für die Herstellung können Äste und Zweige sein, die beim Baum-, Hecken oder Grasschnitt anfallen oder andere pflanzliche Rohstoffe wie Zellulosefasern oder Getreidespelzen.

Wie entsteht sie?
Pflanzenkohle entsteht durch Pyrolyse. Dabei werden die organischen Rohstoffe unter Sauerstoffentzug auf zwischen 500 und 600 Grad Celsius erhitzt und in ihre gasförmigen und festen Bestandteile getrennt. Das kann entweder im heimischen Garten in einem ausgekleideten Erdloch oder in einem speziellen Ofen namens Kon-Tiki geschehen. Oder für den professionellen Gebrauch in einer industriellen Anlage.
Das Prinzip ist in allen Fällen gleich. In der Pyrolyse werden organische Stoffe unter Ausschluss von Sauerstoff langsam verkohlt – ähnlich wie bei Grillkohle, die aber nicht mit Pflanzenkohle verwechselt oder gar vertauscht werden sollte. Denn weder die eine noch die andere kann „roh“ als Dünger verwendet werden: Im Gegenteil. Wenn Holz verkohlt, können giftige Kohlenstoffverbindungen und Dioxine entstehen.

Pflanzenkohle
Kohle kann Wachstum fördern

Wo kommt sie her?
Und was hat das nun mit Indios und Amazonas zu tun? Ganz einfach, die Indigenen am größten Fluss der Welt haben die portugiesisch „Terra Preta“ genannte schwarze Erde „erfunden“. Das mussten sie auch, denn der Boden im südamerikanischen Dschungel ist hell und nährstoffarm, weil der Dauerregen in der Region die Mineralien ausspült.
Daher staunten Forscher in den Sechzigerjahren nicht schlecht, als sie mitten im Amazonas-Gebiet Überreste großer Siedlungen entdeckten, die auf einer besonders dunklen, humus- und nährstoffreiche Boden standen. Die Humusschicht war fast zwei Meter dick war – an diesem Standort mitten im Urwald eigentlich nicht zu erklären.
Des Rätsels Lösung: Die schwarze Erde ist nicht natürlichen, sondern menschlichen Ursprungs. Um ihre karge Heimat fruchtbar zu machen, mischten die Ureinwohner traditionell alle organischen Abfälle – also Pflanzenrückständen, Knochen, Fischgräten, Hühnerkot, Exkremente, Tonscherben und auch Reste vom Kohlefeuer in Tonkrügen und vergruben den Inhalt später in Erdhöhlen. Diese Gruben wurden zugeschüttet und damit von der Luft abgeschlossen. So entstand über die Jahrhunderte der bis zu zwei Meter dicke Terra Preta Boden.
Bis der konkrete Beweis aus der Wissenschaft für die menschliche Herkunft der Terra Preta erbracht wurde, dauerte es denn auch. Erst in den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts konnte ein deutscher Wissenschaftler, Prof. Dr. Bruno Glaser mit seinem Team von der Universität Bayreuth, zweifelsfrei nachweisen, dass die Terra Preta von Menschen geschaffen wurde.

Welchen Nutzen hat Pflanzenkohle?
Terra Preta ist also nicht dasselbe wie Pflanzenkohle. Um wirklich wachstumsfördernde schwarze Erde zu erhalten, muss die Pflanzenkohle vor ihrem Einsatz mit Mikroorganismen und Nährstoffen aus organischem Material wie Kompost „betankt“ werden. Die Kohle saugt sich dann mit den Nährstoffen voll, mit denen sie anschließend die Pflanzenwurzeln versorgt.
Dank ihrer porösen Struktur verfügt die Pflanzenkohle über ein sehr großes Volumen. Das sorgt dafür, dass sie große Mengen an Nährstoffen wie beispielsweise Stickstoff speichern kann. Nachdem sie mit den Nährstoffen aufgetankt wurde, kann sie diese nach dem Ausbringen in den Boden wiederum an die Pflanzen abgeben.
Eine besondere Fruchtbarkeit fördern ist dabei nur die eine besondere Wirkung der Pflanzenkohle. Ein anderer, überaus positiver Effekt liegt darin, dass Pflanzenkohle den pflanzlichen Kohlenstoff mehrere tausend Jahre im Boden speichert, der sonst beim Verrotten oder Verbrennen der Biomasse als Kohlendioxis in die Atmosphäre abgegeben wird.

Pflanzenkohle
Pflanzenkohle gut für Humusbildung

Was bringt Pflanzenkohle für die Umwelt?
Greifen also Landwirte, Profi- und Hobby-Gärtner zu Pflanzenkohle, dann tun sie nicht nur ihrem Garten etwas Gutes – sondern auch dem Klima. Durch den Entstehungsprozess der Pflanzenkohle, die Pyrolyse, wird Kohlenstoff langfristig in dem Produkt gebunden. Da während dieses Prozesses der Sauerstoff ausgeschlossen wird, wird auch kein Kohlendioxid an die Atmosphäre abgegeben. Beim einfachen Verrotten von organischem Material wird dagegen Kohlendioxid an die Atmosphäre abgegeben. Ein Kilogramm hochporöse Pflanzenkohle speichert so den Kohlenstoff aus drei Kilogramm CO2.

Welchen Nachteil hat Pflanzenkohle?
Für die Anwendung von Pflanzenkohle ist ganz entscheidend, dass sie vor ihrem Einsatz auf dem Boden mit Nährstoffen und Mikroorganismen aufgeladen wird – sonst erleben Gärtner, Landwirte & CO. nämlich den Umkehreffekt und die Pflanzenkohle zieht alle umliegenden Nährstoffe aus dem Boden und speichert sie in sich. Ganz wichtig also: reine Pflanzenkohle nicht im Garten oder auf dem Feld ausbringen, denn auch geringe Mengen können das Gegenteil des Erwünschten bewirken.